Lange galt Facebook als unantastbar – zumindest bis vor wenigen Wochen, als sich ein anderer Internetriese aufraffte und selbst sein eigenes soziales Netzwerk launchte: Google+ (plus.google.com). Versuche Facebook zu stürzen, gab es schon viele. Man erinnert sich gern an die lauten Rufe der VZ-Netzwerke, einem Diaspora oder vieler anderer, die propagierten, es mit Facebook aufnehmen zu können. Leider verhallten die Versprechungen und Ankündigungen sehr schnell, zurück blieben kleine Netzwerke ohne Einfluss.
Google+ – Altes und Neues
Nachdem Google+ Ende Juni als Beta zur Verfügung stand, entwickelte sich in der Internet-Community sehr schnell ein regelrechter Hype um das neue soziale Netzwerk. Mitmachen konnte jeder, der über eine Einladung verfügte – vergleichbar mit der Anfangszeit von GMail. Dementsprechend verteilten sich die Einladungen im Web, auch über Facebook und Co. Mittlerweile Ist Google+ für alle Nutzer geöffnet. Wer sich anmelden möchte, benötigt nur noch eine GMail-Adresse.
Wie bei anderen sozialen Netzwerken findet der Nutzer auch bei Google+ auf der Startseite seinen eigenen Newsstream mit verschiedensten Beiträgen und Kommentaren. Der größte Unterschied zu Facebook ist wahrscheinlich die Definition des Begriffs Freunde: Während bei Facebook erst eine Freundschaftsanfrage versendet und angenommen werden muss, verzichtet Google+ auf diese Variante und führt die sogenannten Circles (Kreise) ein.
Ein Circle bezeichnet hier einen Freundes- oder Bekanntenkreis, der vom Nutzer selbst definiert und mit Personen gefüllt werden kann. Denn wie im echten Leben ordnen wir Personen in Gruppen ein – von Schulfreunden über Arbeitskollegen bis hin zu Familie ist alles dabei. Wenn ein Google+-Nutzer nun etwas teilen möchte, kann er auswählen, ob alle oder nur bestimmte Circles diesen Beitrag sehen können. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, Beiträge mit der gesamten Community zu teilen. Diese sind dann auch über die Google Suchergebnisse auffindbar. Eine solche konkrete Unterscheidung ist auf Facebook nicht möglich: Zwar lassen sich die Freunde in Listen einordnen, diese Gruppen jedoch nicht richtig einzeln über den Newsstream ansprechen. Durch die Circles sind Freundschaftsanfragen also überflüssig, denn diese setzen eine konstante Beziehung zwischen Freunden voraus. Sollte der Fall eintreten, dass ein Nutzer von einem für Ihn unbekannten User hinzugefügt wird, sieht dieser jedoch nur die Beiträge, die als öffentlich geteilt werden.
Zurzeit fehlen bei Google+ noch einige Funktionen, die von Facebook gewohnt sind, wie die Fanseiten und Apps. Diese sind jedoch bereits angekündigt und werden im Laufe des Jahres zur Verfügung stehen. Insgesamt hat Google+ sehr viel größeres Potential als Facebook, da Google mit den unterschiedlichsten anderen Produkten und Portalen bereits auf vielen Gebieten Marktführer ist und diese mit relativ wenig Aufwand in das soziale Netzwerk integrieren kann. Zusätzlich zeichnet sich Google+ durch eine sehr gute Usability, dem fluffigen Look und einen offenen Umgang mit dem Datenschutz aus. Die Privatsphäreeinstellungen können ohne großen Aufwand eingesehen und geändert werden – sie sind leicht zu verstehen und schnell zu finden.
Fazit: Die Schlacht beginnt – der Krieg ist noch offen
Wer den Kampf um Nutzer und Einfluss am Ende gewinnt, bleibt abzuwarten. Sicher ist aber eins: Facebook muss um seine Marktführerschaft fürchten. Mit Google+ ist ein neuer Player aus dem Nichts aufgetaucht, der Facebook das Leben sehr schwer machen kann und voraussichtlich auch wird. Zwar hat Facebook noch den klaren Vorteil der hohen Anzahl aktiver Nutzer, es bleibt aber die Frage, wie lange sich diese noch mit der vorhandenen Usability und den immer wiederkehrenden Datenschutzproblemen abfinden oder ob am Ende doch die Faulheit siegt und die Meisten sich nicht die Mühe eines Wechsels machen wollen. Wir sind sehr gespannt, wie sich der Kampf der Titanen entwickeln wird.


